Sind gute Nachrichten eine Nachricht wert?

In der Presse scheint leider mehrheitlich zu gelten: only bad news is good news – zumindest für die Verkaufszahlen der Printauflagen. Wie sonst lässt sich erklären, dass wir ständig nur von Katastrophen, Krisen und Konflikten lesen, während unser alltägliches Erleben überwiegend positiv ist – wie kann dann die Welt ständig am Abgrund stehen? In der ZEIT vom Wochenende war dazu ein mehrseitiger Artikel, der mir aus der Seele sprach.

Der Autor des Artikels, Martin Spiewak, stellt fest, dass die aktuelle Generation von Kindern statistisch nachweislich gesünder, glücklicher und besser ausgebildet ist als jede vor ihr– während sich Bücher über unsere angeblich emotional verwahrlosten, aggressiven und medial abgestumpften Kinder als Bestseller etablieren. Die haargenau gleichen Schlagzeilen standen aber schon in den 50ern in der Zeitung – und vermutlich haben sich bereits die Römer über die junge Generation ‘von heute’ echauffiert.

Auch der schwedische Medizinprofessor Hans Rosling stellt seit vielen Jahren fest, dass unsere Sicht auf den Zustand der Welt viel zu negativ ist, positive Entwicklungen werden kaum wahrgenommen. Egal ob Lebenserwartung, Einkommensverteilung, Geburtenraten oder Alphabetisierung, selbst bei mehreren Antwortmöglichkeiten wählen die meisten Menschen die schlechteste, obwohl oft die beste richtig wäre (Quiz hier!). Dabei muss ich zugeben, dass ich selber häufig daneben lag, obwohl ich mich im Zweifel eher überdurchschnittlich viel mit Themen rund um Armut und Klimawandel beschäftige.

Das heißt ja nicht, dass alles rosig und bestens ist. Aber der Trend ist bedenklich, denn das pauschal-Negative verstellt uns den Blick für die Themen, an denen es tatsächlich noch zu tun gibt – und nimmt Menschen die Motivation, für Veränderung zu kämpfen. Wenn wir uns bewusst machen, wie viel Positives bereits erreicht wurde, trauen wir uns auch zu, neue Dinge anzupacken. Baustellen gibt es schließlich nach wie vor genug!

Ich bin mir sicher: wenn die Presse nur ein wenig ausgewogener berichten würde, wäre der Wandel hin zu einer nachhaltigen, ‘gerechten’ menschlichen Gesellschaft sehr viel schneller zu bewerkstelligen. Wer darauf nicht warten will, packt einfach schonmal mit an.

Foto: (c) freeimages (hands-1434811-2-m-300x)