Wachstum für Impact

Immer wieder führen wir Diskussionen über das Thema Wachstum. Denn viele der Geschäftsmodelle, die wir entwickeln, sind natürlich per se skalierbar und/oder replizierbar, ggf. mit Anpassungen an lokale Spezifika. Das ist auch so gewollt und intendiert. Denn: nur wenn wir zeigen, dass Nachhaltigkeit auch in größerem Maßstab Geld verdient, ändern wir etwas in der Welt, weil dann auch Konzerne aufmerksam werden und Stück für Stück ihre Strategien anpassen.

Seien wir ehrlich: wenn Coca-Cola bekannt geben würde, nur noch Zucker aus Bioanbau verwenden zu wollen, würden Kleinbauern und Kooperativen weltweit umstellen, vermutlich würde allein dadurch die globale Produktion von Biozucker verdoppelt. Dafür müssten die Bionade und Lemonaids dieser Welt aber mal mindestens auf 1-2% Marktanteil kommen, also ein Stück weit aus der Nische raus und rein in den mainstream.

Viele „Ökos“ vom alten Schlag predigen das Mantra der Wachstumsgrenzen und befürchten, wenn nun die „Guten“ auch wachsen wollen, setzen sich wieder die falschen Maßstäbe durch. Ich bin der Meinung: es kommt darauf an, was die Motivation für Wachstum ist. Bei echten eco-social-entrepreneurs darf man davon ausgehen, dass die Motivation lautet, mehr Impact zu haben – also eben wirklich die Wirtschaft zu ändern.

Ich gehe mal provokativ noch einen Schritt weiter: jedes Social Enterprise, das sich damit begnügt, eine kleine selbsttragende Firma mit 3-5 Mitarbeitern zu sein und daher den Beweis der Tragfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells erbracht zu haben, dient im Herzen eher der Selbstverwirklichung des Gründerteams als dem Streben nach Veränderung. Denn Wachstum kann auch Angst machen: die Verantwortung wächst, Strukturen müssen sich wandeln, und man muss beweisen, dass die eigene Relevanz nicht nur in der Nische besteht.

Mein Plädoyer für heute: Habt Mut, liebe Gründer, und arbeitet ständig mit einem Bein außerhalb Eurer Komfortzone. Freut Euch, wenn sich die Großen bewegen, nach Kooperationen fragen – oder schlicht Euer Modell kopieren. Dann habt Ihr eigentlich alles erreicht und könnt mit neuen Innovationen den nächsten Schritt gehen.

Foto (c) Daniel Tan (freeimages.com)