Outcompeting: wenn Öko sogar billig(er) ist

Es gibt Projekte, da sind wir selber überrascht, WIE profitabel das Kaskadieren von Stoffströmen in dezentralen, kleinen Einheiten sein kann. Unserer Überzeugung nach muss Nachhaltigkeit ja immer ein besseres Geschäftsmodell haben als konventionelle Wettbewerber, damit „öko“ nicht in der Premium-Nische stecken bleibt. Häufig ist das durchaus möglich, auch wenn ich an der Stelle die Romantiker bremsen möchte: gewissen Gesetzen von Markt und Logik kann sich auch Umweltfreundlichkeit nicht entziehen.

Aber es ist durchaus möglich, mit Innovationen die Etablierten zu schlagen. Wichtig sind dafür mehrere Elemente:

  • Nutzung irgendeiner Form von Abfalls oder Überflusses als Input
  • daraus resultierend ein Win-Win(-Win) für die Beteiligten – also auch für den, der z.B. die Entsorgung des vermeintlichen Abfalls einspart
  • Einbindung der Menschen vor Ort – ob Mitarbeiter oder Bürger – mit ihrer Kultur und Historie, damit es zu „ihrem“ Vorhaben wird

Besonders im Bereich Energie ist dabei Erstaunliches möglich. An sich gibt es ja ohnehin keinen Mangel an Energie – von Sonne über Wind bis Schwerkraft ist jeden Tag mehr Energie vorhanden, als wir Menschen im Jahr verbrauchen. Wir müssen sie nur besser nutzen. Wenn das auch noch zu sehr geringen Kosten möglich ist, wird es spannend. Wir haben kürzlich ein Konzept für einen Kunden entwickelt, das 2018 in die Umsetzung gehen soll und verspricht, die Kosten der Energieversorgung massiv, also um Faktor x, zu senken. Wenn es gelingt, könnte die Energiewende sehr plötzlich greifbar nahe sein.

 

Foto (c) Pierre Amerlynck (freeimages.com)

Erneuerbare Energien in Kroatien

Kroatien ist ein wunderschönes Land – ganz sicher war ich nicht zum letzten Mal dort. Aber erschreckend: trotz 2.600 Sonnenstunden im Jahr und über 1.200 Inseln mit ständigem Wind habe ich eine einzige kleine PV-Freilandanlage und drei kleine (alte), sich nicht drehende Windräder gesehen. Kroatien hat im Kontext des EU-Beitritts sehr viel für die Umwelt getan, gut 10% der Fläche des Landes stehen unter Naturschutz – sehr zur Freude auch der vielen Besucher. Aber gerade was Energie anbelangt steht das Land wohl noch ganz am Anfang.

Am letzten Tag meines Besuchs wollten wir eigentlich zum Abendessen in eine Pizzeria in der Nähe des Amphitheaters von Pula. Doch wir wurden abgelenkt: die Rainbow Warrior (III) lag im Hafen mit riesigen Menschentrauben davor. Also natürlich nichts wie hin, die letzte englischsprachige Führung ergattern – und während der Wartezeit staunen, dass Solarkocher und PV-Grashüpfer für Kroaten angeblich völliges Neuland sind. Denn Greenpeace macht gerade eine Aufklärungskampagne durch Südeuropa und hat jede Menge “Solarspielzeug” am Kai aufgebaut.

Das Schiff selbst ist wirklich beeindruckend: über 1.300 m² Segelfläche, hochmoderne Steuerung, Heli-Landeplattform samt Garage – plus die Baukosten von über 20 Mio. EUR wurden komplett über crowdfunding gestemmt, und das zu einer Zeit, als der Begriff noch in den Kinderschuhen steckte. Die Diskussionen unter den Besuchern, warum die Besatzung nicht allesamt Veganer oder wenigstens Vegetarier sei, ob man auch wirklich so sellten wie möglich den Motor anschalte, usw. waren ein typisches Spiegelbild der Öko-Szene: vom Hardliner bis zum Pragmatiker war alles dabei.

Wir hoffen jedenfalls, dass der Besuch der Rainbow Warrior zumindest einige Kroaten zum Umdenken animiert, denn bei gerade einmal 4,3 Millionen Einwohnern sollte es doch möglich sein, schon bald Erneuerbare Energien zu exportieren! Die Natur bietet sie jedenfalls im Überfluß.

Blue Economy für 25.000 Inseln?

Inseln sind ein spannendes Aktionsfeld: durch ihre geographische Abgeschlossenheit bilden sie eine klare wirtschaftliche Einheit, Stoff-, Waren- und Geldströme lassen sich klar in “rein” und “raus” unterscheiden. Nachdem im März bereits das indonesische Ministerium für Fischerei und maritime Angelegenheiten bei uns zu Besuch war (Indonesien besteht aus über 17.000 Inseln), begrüßten wir im Juli eine Delegation aus den Philippinen. Die Republik mit ihren mehr als 7.000 Inseln, die miteinander in ständigem Austausch stehen, hat die Komplexität des Themas nochmal sehr klar gemacht.

Wir haben intensiv über die Möglichkeiten nachhaltiger, innovativer Technologien für den Inselstaat diskutiert. Vor allem die Logistik und der Transport von Waren zwischen den Inseln sowie die Möglichkeiten, Landwirten und Fischern Alternativen zum Reisanbau und dem Raubbau in ihren Fischereigründen zu bieten – aber natürlich auch der Energiesektor sowie die Textilindustrie. Unter den vorgestellten Beispielen fanden sich moderne Segelboote, Kleidung aus Algen, Integrated Farming sowie neue Windkraft- und Solarkonzepte. Nun hoffen wir, dass die anwesenden GIZ-Vertreter die Chance nutzen und ihr Programm zur Stärkung ‘grüner’ Wirtschaftsbranchen mit unserem systemischen Blue Economy Ansatz erweitern. Die ersten Rückmeldungen waren sehr positiv, der Besuch sei eine Bereicherung und Inspiration gewesen. Auf dass nun auch Umsetzung folgt!

Besuch bei Dippy

Back from London! In unserer Arbeit haben wir ja häufig mit extrem intelligenten Menschen zu tun, die Dinge erfinden, von denen man vorher dachte, die kann es nicht geben. Wenn man dann zwei davon an einem Tisch sitzen hat, ergeben sich doch beeindruckende Ergebnisse. In London haben wir Stefan Larsson, dem CTO von Solarus mit Prof. Andrew Parker, Forschungsleiter im Natural History Museum (NHM) of London, zusammengebracht.

Andrew ist einer der führenden Forscher im Bereich Optik, hat vor ein paar Jahren die Evolutionsbiologie auf den Kopf gestellt mit der These, dass die kambrische Explosion vor etwa 540 Millionen Jahren von der Entwicklung der Fähigkeit zu sehen ausging (sein Buch dazu, „In the blink of an eye“, ist wirklich enorm lesenswert). Heute beschäftigt er sich vor allem mit Oberflächen und deren Funktion – darunter kann Farbe sein, aber eben auch Hydrophobie, elektrische Leitungsfähigkeit, Wärmeschutz uvm. – meist in Kombination.

Stefan hat neben dem hybriden Solarmodul (das gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt und so über 50% der Sonnenenergie nutzbar macht) eine ganze Reihe spannender Technologien entwickelt, von modularen Steuerungselementen bis hin zum Autoantrieb aus Bananenschalen (Zurück in die Zukunft III!). Sein ganzes Haus ist ein großer Prototyp, einfach klasse, wenn z.B. die Jalousien gleichzeitig Solarthermiemodule sind!

Die beiden haben diverse Ideen entwickelt, wo Schnittstellen sein könnten und wollen nun Forschungsanträge stellen. Zum Abschluss gab’ es noch eine Führung durch die Labors und ich bin dann noch eine Runde durch das Museum selbst geschlendert – auch das wirklich schön und immer einen Besuch wert.

PS: Dippy wird das 26m Skelett eines Diplodocus Dinosauriers im Eingangsbereich des NHM genannt.

Eine autarke Insel

Über El Hierro gibt es ja bereits einen längeren Bericht auf blueeconomy.de denn das langjährige Regionalentwicklungsprojekt dort hat wirklich Vorbildcharakter. Nun waren wir vor Ort, um uns die Fortschritte beim Bau anzusehen. Die Windräder stehen ja bereits, am Pumpspeicherkraftwerk wird noch fleissig gebaut. Riesige Wechselrichter glänzen in der Sonne, die hydraulischen Generatoren sind bereits eingebaut. Mit insgesamt einem Jahr Bauverzögerung steht das Projekt eigentlich noch ganz gut da, insbesondere da es sicher auch für den Monopolisten Endesa ungewohnt war, sich auf solch eine Joint Venture Struktur einzulassen – und letztlich auf Gewinne zu verzichten. Endesa hält lediglich 30% an “Gorona del Viento El Hierro”, der Firma, die hier für mehr als 65 Mio. EUR alles umsetzt.

Fünf Enercon-Windräder à 2,3 MWp sollen in Kürze 11,5 MWh Strom erzeugen – da die Einwohner lediglich 7 MW im Peak benötigen, kann mehr als ein Drittel der Energie dafür verwendet werden, um bis zu eine halbe Million m³ Wasser in den oberen Speicher zu pumpen. Sollte tatsächlich mal kein Wind wehen, wird das Wasser durch zwei 3km lange Rohre abgelassen – nahezu 700 Höhenmeter führen dann zu 11,3 MWp Strom aus Wasserkraft. Bis 2020 sollen zudem 40% der Fahrzeuge auf der Insel elektrische Autos mit austauschbaren Batterien sein: “Tanken” ist dann ein einfacher Batteriewechsel, bei maximal 50km Fahrstrecke reicht die Kapazität auch eines kleinen Akkus.

Doch innovativ ist vor allem das Gesamtkonzept: die Masse des Stroms wird auf El Hierro benötigt, um die drei Entsalzungsanlagen zu betreiben, also um Frischwasser herzustellen. Weit mehr als die Hälfte dieses Wassers wiederum wird für die Landwirtschaft benötigt – die Bauern haben wohl zugesagt, auf ökologischen Anbau umzustellen, wenn dafür das Wasser günstiger wird. Aus einem Stromprojekt wird so ein Weg, eine Insel mit gerade einmal 35 Regentagen pro Jahr autark zu machen – erstaunlich, dass Solarthermie und Photovoltaik bei den Sonnenstunden bislang keine Rolle spielen! Jährlich werden zudem fast 2 Mio. USD eingespart, mit denen bislang 6.000 Tonnen Diesel importiert werden – Geld, das künftig dem Wirtschaftskreislauf der Insel zur Verfügung steht. Da wird es fast zur Nebensache, dass 18.700 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

El Hierro ist nur klein, aber schon jetzt ein Vorbild für seine größeren Nachbarn wie Teneriffa. In Europa leben 17 Millionen Menschen auf Inseln, weltweit sind es 600 Millionen – viele davon weit abgelegen. Wir würden uns wünschen, dass viele sich ebenfalls auf den Weg machen, systemisch verbundene Lösungen für die Versorgung ihrer Gemeinschaften zu entwickeln.

Ein ausführliches Video von unserem Besuch mit tollen Bildern dieser wunderschönen Insel findet sich hier.

Von Wasser und Wirbeln – und dem perpetuum mobile

Gestern traf in Hamburg ein bunter Haufen Wasserexperten zusammen, die wir eingeladen hatten, gemeinsam über Innovationen von morgen zu spinnen. Und so lauschten wir Curt Hallberg, der künstlich Wasserwirbel erzeugen kann, Prof. Ralf Otterpohl, der ein absoluter Vorreiter mitunter in der Forschung zu Grau- und Schwarzwassersystemen ist, und einem der Gründer von GasPlas, die mithilfe von Wirbeln nicht Wasser sondern Gas in seine molekularen Bestandteile spalten.

Wenn man den Experten so zuhört, sind die Lösungen alle faktisch bereits entwickelt. Doch bis die ersten Autos auf unseren Straßen fahren, die ihre Abgase mit Methan zu CO und H2 spalten und daraus (Bio-)Ethanol herstellen, wird wohl noch etwas Zeit ins Land gehen.

Im Königreich des Donnerdrachen

Bhutan ist ein sagenumwobenes Land, hoch im Himalaya gelegen und lange Zeit nur zu Fuß erreichbar. Doch auch die ‘moderne’ Anreise per Flugzeug hat es ganz schön in sich, wenn der Pilot die Maschine zwischen den Bergen langsam nach unten schraubt um schließlich immernoch ziemlich steil zur Landung in Paro anzusetzen. Wir hatten die Ehre, zwei Wochen lang auf Einladung der königlichen Familie dieses außergewöhnliche Land zu besuchen und sind nach wie vor begeistert von der Schönheit und Sanftheit von Natur und Bewohnern.

Es ist ein schmaler Grad, den Bhutan mit seiner Öffnung für internationale Märkte geht. Denn eine eher fatalistisch-bhuddistische Bevölkerung wird dadurch unvorbereitet konfrontiert mit Internet, Seifenopern – und sehr geschäftstüchtigen Indern. So manches ist dadurch aus dem Lot geraten und ein paar unnötige Abhängigkeiten sind entstanden. Wir dürfen nun für mehrere Kunden Projekte vorbereiten und hoffen, so einen kleinen Beitrag zur Resilienz und stärkeren Autonomie dieses wunderbaren Landes des Buchweizens, Daphnepapiers und des Donnerdrachens.