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Landbox - Verpackung aus Stroh nach dem Vorbild der Blue Economy

Inspiration zu „Unternehmen“

Als wir 2009 anfingen, den Begriff „Blue Economy“ zu prägen, hatten wir gehofft, mit der Kampagne, die wöchentlich ein Beispiel für ‚blaues Handeln‘ veröffentlichte, Unternehmer in aller Welt zu erreichen, die dann umsetzen und ihre Branchen oder ihr regionales Umfeld zum Positiven verändern. Die Kampagne leitet unser gemeinnütziger Verein – sozusagen als Umweltbildung – aber uns erreichten in der Folge so viele Anfragen, „wie das denn nun konkret geht“, dass wir entschieden, die Blue Economy Solutions zu gründen und unsere jahrelange Erfahrung in der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten darin zu bündeln.Bis heute betreuen wir über den Verein die Seite blueeconomy.de und stellen regelmäßig fest, dass einzelne Beispiele es in „best of“ Listen und Empfehlungen für eine nachhaltige Zukunft schaffen, z.B. aktuell beim Bioökonomierat (dort findet sich z.B. Spinnenseide und Zitrusseife). Auch veröffentlichen wir immer wieder neue Beispiele, die uns begeistern oder neue Entwicklungen und Erkenntnisse widerspiegeln. Anfang des Jahres war dies z.B. ein Artikel zum Thema Stroh.Wie wir jetzt angenehm überrascht feststellten, hat dies bereits Unternehmer dazu bewegt, die sich dem Thema Verpackungen aus Stroh angenommen haben. Das ist für uns eine Bestärkung und Bestätigung, weiter so zu arbeiten: einerseits Ideen und Inspirationen „open access“ in der Welt zu verbreiten um Dritte zum Handeln anzuregen – auch wenn wir nur selten wie in diesem Fall mitbekommen, wie groß die Wirkung ist; und andererseits Unternehmen und Regionen zu beraten, die nicht nur einzelne Technologien nutzen wollen, sondern auf ihre Situation und Stoffströme angepasste systemisch kaskadierende Lösungsansätze entwickelt haben möchten, deren Umsetzung wir dann oft über viele Jahre begleiten.Ein herzlicher Dank an dieser Stelle an Landpack, es ist schön das Jahr mit einer derart positiven Nachricht beenden zu können. You’ve made my day! Foto: (c) Landpack GmbH

Muhammad Yunus und die Guru-Frage

Diese Woche habe ich den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus wieder getroffen – nachdem ich 2008 und 2009 sehr viel mit ihm gearbeitet hatte, war es ein freudiges Wiedersehen. In der Zwischenzeit ist in Bangladesch viel passiert – auch Negatives, insbesondere die Person und der Ruf von Prof. Yunus standen regelmäßig in der Kritik. Und doch strahlt er weiter eine unbändige Energie aus und kann von zahlreichen Fortschritten berichten, sein Optimismus rief in mir innerlich ein Lächeln hervor.Yunus war anlässlich der Vorstellung einer Studie über Mikrofinanzen in Berlin. Während ich seinem Vortrag lauschte, fiel mir auf, wie sehr sich doch die großen Vorbilder der öko-sozialen „Szene“ in einem Punkt ähneln: sie alle sind geniale Geschichtenerzähler. Bitte nicht falsch verstehen: ich schätze Muhammad Yunus sehr, er hat durch sein Wirken und die von ihm geschaffenen Strukturen das Leben von Millionen von Menschen positiv beeinflusst. Und doch glaube ich, dass all die (vermeintlich) großen Ideen auch unter der Dynamik leiden, die ihre mitreißend vorgetragenen Konzepte und Themen nach sich ziehen. Dabei teilen sich die Zuhörer auf solchen Veranstaltungen meiner Erfahrung nach (vor allem in der westlichen Welt) in drei Gruppen:

  1. die „Inspirierten“ (ein Freund nennt sie süffisant „Erdbeerteetrinker“) trifft man auf nahezu jeder Konferenz und jedem Event zu öko-sozialen Innovationen. Sie fühlen sich wahnsinnig wohl dabei, umgeben von anderen inspirierten Weltverbesserern über die Vorträge zu diskutieren und philosophische Fragen zu stellen. Wirklich viel bewegt wird dabei natürlich nicht.
  2. die „Manager“ bzw. ihre Assistenten sind eher still dabei, sie sind auf der Suche nach Trends und brauchbaren Ideen, aus denen sich Marktpotenziale ergeben könnten. Leider passiert es dann oft genug, dass bei der Kommerzialisierung eines Konzeptes die ursprünglich dahinterliegenden Werte auf der Strecke bleiben – das gilt für viele der Mikrofinanzanbieter, weite Teile der „grünen Industrie“ und zahlreiche CSR-Projekte. Hier geht Skalierung leider vor.
  3. die „Anhänger“ schließlich sind die Gefährlichsten. Sie himmeln ihre Vorbilder an, erklären sie für ‚unfehlbar‘ und verteufeln jeden, der Kritik äußert und eine differenzierte Betrachtung vornimmt. Indem sie aus einer guten Idee eine Religion machen, schrecken sie viele Menschen ab, die Projekte tatkräftig voranbringen könnten, es aber nicht unter der Fuchtel eines vermeintlichen Gurus tun wollen.

Ich kann ja nachvollziehen, dass man vor allem von den Erfolgen erzählt, um Menschen Mut zu machen, dass Veränderung möglich ist. Vielleicht täte es aber auch gut, wenn die Rückschläge, die Fehler und die Streitigkeiten genauso ehrlich beleuchtet würden. Und so manchem Thema wäre besser damit gedient, wenn es von vielen Gesichtern statt einem Einzelnen nach außen getragen würde – bottom-up statt top-down eben.Unternehmer trifft man übrigens relativ selten bei inspirierenden Vorträgen, Konferenzen etc. an. Sie haben nämlich keine Zeit sondern sind damit beschäftigt, die Ideen, die sie aus solchen Events irgendwann mal mitgenommen haben, in sinnvolle Produkte und Dienstleistungen umzusetzen… Foto: CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ Wikipedia