Beiträge

News - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

Rolle rückwärts: wie man Glaubwürdigkeit verspielt

Die letzten Monate haben sehr viel Geduld vom deutschen Wähler gefordert – und tun es noch, wenn wir frühstens im März wissen werden, ob eine Regierung zustande kommt. Früher ein für Deutschland undenkbarer Zustand! Nun wird trauriger Weise weiteres Kapital und Glaubwürdigkeit verspielt. Denn die Verhandler für eine Große Koalition haben ganz offiziell den Ausstieg aus den deutschen Klimazielen beschlossen, 40% Reduktion bis 2020 sei nicht mehr zu schaffen. Das verwundert sehr, wurden doch im letzten halben Jahr mehrere Gutachten und Studien vorgelegt, die meisten übrigens von der amtierenden schwarz-roten Regierung finanziert, die besagen, dass wir aus der Braunkohle jederzeit aussteigen könnten, wir müssten lediglich weniger Strom exportieren. (Und das genügt im Wesentlichen, um die Klimaziele zu erreichen…)Da ist also ein großes, sehr schwer greifbares und doch irgendwie symbolisch unglaublich wichtiges Ziel nach Aussage zahlreicher Wissenschaftler und Experten durchaus erreichbar. Man würde Zeit gewinnen, denn wir haben ja festgestellt, dass die kleinteiligen Ansätze, jeden einzelnen Bürger stärker zu motivieren, sich ökologischer zu verhalten (also sein Haus zu sanieren, weniger Auto zu fahren, usw.) nicht kurzfristig und damit nicht schnell genug greifen. Und dann wird dieses Ziel ohne sachliche Begründung einfach über Bord geworfen. Das ist ungefähr so peinlich wie der Diesel-Skandal, den VW ausgelöst hat und der nach Aussage vieler meiner ausländischen Kontakte deutlich am Image „made in Germany“ gekratzt hat.Ich muss sagen, ich war selten so enttäuscht von „denen da oben“ – und selten so entschlossen, „jetzt erst recht“ selber zu handeln. Wer jetzt noch auf gestaltende Impulse für die eigene Zukunft von der Bundesebene wartet, ist selber schuld.  Foto: (c) freeimages: pixelboom

News - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

Gerechtigkeit – und früher war alles besser

Wir diskutieren in Deutschland v.a. im Wahlkampf viel über Gerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Immer wenn es dann heißt, „früher war alles besser“, werde ich ein wenig allergisch. „Früher“ war ein Gehalt genug, um eine Familie zu ernähren, „früher“ gab es weniger Armut, weniger Kriminalität, weniger Ungleichheit? Die Statistiken sagen etwas anderes.Als meine Eltern in der Grundschule waren (also in den 1950er Jahren), wurde die Wäsche alle 14 Tage von Hand in großen Trommeln gewaschen – da halfen alle Frauen der Familie und im Zweifel noch eine Magd mit. Telefonate wurden beim Postamt als Ferngespräche angemeldet und über manuelle Vermittlungsstellen verbunden. Freizeitbeschäftigung war das Radio, ein Fernseher war ebenso ein Luxusgut wie ein Auto.Dieses Leben konnte man also von einem Arbeitergehalt finanzieren. Seitdem ist unser Lebensstandard parallel zu unserer Produktivität massiv gestiegen, pro Kopf erwirtschaften wir in Deutschland etwa das zehnfache ggü. 1950. Wir haben große Teile unserer Armut exportiert und leisten uns heute ein Leben im Überfluss – mit Smartphones, Laptops, Xbox, Mikrowelle… die Liste lässt sich lange fortsetzen. Je 10 Einwohner verfügen wir über 5,5 Autos, jeder Haushalt besitzt 2 Computer und 3 Telefone (davon 2 Handys). Das Leben ist in kaum vorstellbarem Maße bequemer und einfacher geworden.Die Teilhabe an diesem Luxus – und ein solcher ist es im globalen Maßstab nach wie vor – ist ungleich verteilt, das ist richtig. Und er ist damit erkauft, dass unsere Familien anders funktionieren: über 70% der Frauen arbeiten (wenn auch häufig in Teilzeit – und erst seit 1977 ohne Erlaubnis des Ehemannes!), zusammen mit über 80% der Männer. Dennoch: wir sind ein sehr reiches Land mit einer überdurchschnittlichen Umverteilung durch Transferleistungen.Warum also dieses starke Gefühl von Ungerechtigkeit, wieso fallen solche Parolen auf derart fruchtbaren Boden? Ich denke, es liegt v.a. an der Art, wie wir die Umverteilung handhaben. Unser Staat sammelt mittlerweile sämtliche Daten automatisch elektronisch von uns, man könnte also meinen, dass den Behörden bekannt ist, von wie viel oder wenig Geld jemand lebt und welche Leistungen ihm oder ihr daher zustehen. Stattdessen muss jeder Euro separat beantragt und begründet werden, jeder muss sich selber informieren, was ihm/ihr eigentlich zusteht. Wer auf die Solidargemeinschaft zählt, fühlt sich als Bittsteller und soll sich auch noch dafür rechtfertigen, dass er/sie Hilfe und Unterstützung benötigt. Das ist in der Tat ungerecht und einer wohlhabenden Gesellschaft wie der unseren unwürdig.Entbürokratisierung wäre daher dringend angesagt – lange vor etwaigen Diskussionen über ein Grundeinkommen oder ähnliches. Das wäre eine Aufgabe, mit der die künftige Bundesregierung viele Punkte sammeln könnte, und sowohl wichtiger als auch günstiger als neue Steuergeschenke.

News - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

Wissen, Dialog und Beispiele gegen Wut und Stammtischparolen

Die Ausschreitungen in Hamburg rund um den G20 Gipfel haben uns als Team erschüttert – nicht zuletzt durch die Schilderungen eines Kollegen der vor Ort war (auf der Durchreise von einem Termin). Er flüchtete erst vor brennenden Molotow-Cocktails und erwischte dann nach stundenlangem Warten in gespenstisch leeren Bahnhofshallen den letzten Zug aus der Stadt raus. Unsere Haltung ist da sehr klar: für Gewalt, die sich auch noch gegen völlig Unbeteiligte richtet, gibt es keinerlei Berechtigung und Toleranz.Natürlich diskutieren auch wir im Team intensiv, wenn Skandale wie z.B. aktuell in der Autoindustrie auffliegen – und auch wir verstehen, dass solche Vorgänge Gefühle wie Ohnmacht und Wut auslösen können, sowohl auf die Industrie als auch Politiker, die offensichtlich lange gar nicht so genau hinsehen wollten. Gleichzeitig sehen wir keinen Anlass für Verschwörungstheorien. Die globale Wirtschaft ist zu komplex, als dass sie von ein paar Einzelnen Superhirnen mit bösen Absichten gesteuert würde!Nehmen wir das Beispiel der Banken: im Verhältnis zu früheren Zinssätzen bekommen sie heute für dasselbe Kernprodukt (Kredite) nur noch die Hälfte oder ein Drittel des Preises. Die Anforderungen an Prüfung und Sorgfalt seitens der Regulierung sind z.T. aber sogar gestiegen. Klar sind deswegen dann die Dispo-Zinsen besonders hoch, und natürlich will die Bank dann keine kleinen Kredite vergeben sondern konzentriert sich auf die großen Geschäfte – sonst überlebt sie nicht. Warum dann weiter hohe Boni auszahlen? Tja, da haben sich die Herren (und Damen) in ein schönes Gefangenendilemma manövriert: wer zuerst kürzt, fürchtet tausende Mitarbeiter zu verlieren. Da wäre eine kartellähnliche Absprache ausnahmsweise mal etwas, das von der Bevölkerung befürwortet würde – ein Schelm wer das Heuchelei nennt. Die Unternehmen stecken in ihrem eigenen System fest – und werden gerade rechts und links von „Fin-Tech“ Start-ups überholt, die ihre Chance nutzen, um mit Innovationen die Kosten zu senken und Prozesse zu beschleunigen. Viele Kunden wechseln bereits, ganz langsam auch der Mainstream – auch das ist eine Art „Wahlrecht“ in unserer Demokratie. Nicht jedes Traditionshaus wird das überleben. So funktioniert Marktwirtschaft.Wir haben es wirklich gut im liberalen Deutschland, in der Regel gibt es hier Freiheiten und Rechte, für die Milliarden von Menschen uns beneiden – angefangen bei dem Recht zur friedlichen Demonstration. Natürlich läuft nicht alles rund, aber an den Stellen kann man arbeiten, sich engagieren und es selber besser machen. Die Exzesse von Hamburg wären ein guter Anlass, darüber zu diskutieren, wie man Menschen noch mehr Selbstwirksamkeit erfahren lässt, damit sie Gewalt nicht als Ventil (zu) brauchen (glauben). Gute Beispiele und mehr Dialog. Schuldzuweisungen gehören in den Kindergarten. Foto (c) fcl1971 (freeimages)

News - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

Neue Firmenkultur: Leistung „trotz“ guter Laune

Ich hatte im Februar berichtet, dass wir unsere Firmenkultur umgestalten und neue Wege bzgl. Selbstorganisation und Eigenverantwortung gehen wollen. Wir sind mittlerweile einige Monate und intensive Treffen weiter; für mich Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.Zunächst haben wir festgestellt, dass unser Kernteam ohnehin ein enorm hohes Maß an „ownership“ vorlebt – alles vom Typus her Macher, die nicht lange reden, sondern handeln (die großartige Monia Ben Larbi nennt unser Vorhaben ohnehin eine „Diktatur der Macher„). Mir persönlich liegt das sehr, und es ist wirklich schön zu sehen, mit wieviel Spaß und Loyalität alle jeden Tag zur Arbeit gehen. Für Praktikanten, aber auch assoziierte FÖJ‘ler u.ä. kann das schonmal eine Überforderung bedeuten, zumal die wenigsten wirklich viel Arbeitserfahrung mitbringen.Um es klar zu sagen: Selbstorganisation bedeutet alles andere, als dass ein chaotischer antiautoritärer Haufen nur noch macht, worauf er/sie Lust hat. Eigentlich ist die Anforderung sogar höher: jeder erwartet von den Kollegen ein mindestens genauso hohes Maß an Leistung und Begeisterung, wie er/sie selber an den Tag legt. Wer schlurt oder trödelt bremst die anderen letztlich. Die gute Stimmung kann da durchaus täuschen – die resultiert aus dem gemeinsamen Stolz auf das, was man leistet. Ein alter Bekannter würde sagen „Ihr seid eben keine Erdbeerteetrinker“. Bewerber seien daher vorgewarnt: kuscheln ist anders! Aber wer dafür brennt, seine Fähigkeiten ständig zu erweitern und mit top-Leistung richtig innovative und herausragende Ergebnisse zu produzieren – der ist bei uns absolut richtig. Foto: (c) Patrick Öxler (freeimages.com)

News - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

New Work oder geteilte Verantwortung

Es gibt Bücher, die stehen eine Weile im Schrank, ohne gelesen zu werden. Eher selten waren es Geschenke, meistens habe ich sie selber besorgt – auf Empfehlung oder weil der Buchrücken spannend klang – und dann stehen sie da und warten darauf, dass ich Zeit finde. So kam es, dass ich erst 2 Jahre nach dem Kauf „Reinventing Organisations“ gelesen habe – dafür dann fast in einem Rutsch durch.Uns beschäftigte schon länger die Frage, was wir auf der Organisationsebene noch anders handhaben könnten, sowohl bei Kunden als auch „in-house“. Die Beispiele Dritter, die wir kannten, passten irgendwie nicht oder fühlten sich zu starr an; vereinzelte Experimente mit Konsensmodellen empfanden wir jedenfalls als abschreckend und zeitfressend!Seit Weihnachten gehört das Buch zur allgemeinen Team-Lektüre. Seitdem stellen wir fest, dass wir a) wohl schon immer „anders“ waren und b) wir erstaunlich viel Kompetenz rund um das Thema „moderne Führung“ und „Potenzialentfaltung“ schon längst im Team haben! (Ich will nicht ausschließen, dass beide Punkte zusammenhängen. :-))Für alle, die jetzt nicht lange lesen wollen, gibt es hier eine Video-Zusammenfassung.Bei einzelnen Kunden haben wir die Methoden bereits eingeführt, anderen haben wir sie erst empfohlen. In jedem Fall dürfte es in den nächsten Monaten und Jahren ein spannender Prozess werden zu schauen, wo wir ankommen, wenn Hierarchien abgelöst werden durch das Tragen von jeweils so viel Verantwortung, wie sich jeder einzelne zutraut. Eines steht jetzt schon fest: wir sind noch schneller geworden, was manchmal auch ein wenig Schwindel hervorruft. Für ungeduldige Menschen wie mich definitiv ein schönes Gefühl!