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News - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

Der Hype um AgTech: eine Chance für business sense und Nachhaltigkeit

DAS neue Schlagwort der internationalen Investorenszene lautet AgTech, also die Kombination aus Agriculture (Landwirtschaft) und Technologie. Nach IT fließen die großen Gelder nun in gedruckte Steaks oder vegane Eier. Dabei haben leider noch nicht alle dieser Investoren wirklich eine Heirat beider Bereiche auch in ihren Köpfen vorgenommen, manch einer glaubt, wie in der IT skalieren zu können.Agrar-Investitionen bedeuten per Definition, dass eine Produktion, also Anlagen, Maschinen, „etwas zum Anfassen“ da ist. Der Tech-Teil bezieht sich auf Innovation, die in der Steuerung, der Automatisierung, aber auch neuen Schnittstellen oder neuen Verfahren liegen kann. Anders als in der IT-Branche ist eine Skalierung hier automatisch mit einem hohen Kapitalaufwand verbunden, weil nicht nur ein Softwarecode oder ein Vertragsmodell per Mausklick multipliziert wird. Dafür entsteht etwas, das die Grundlage für unser aller Überleben ist: Nahrungsmittel. Im Gegensatz zu Programmcode und Konzepten kann man die bei Bedarf essen, soll heißen: Investoren geht es hier um Lebensgrundlagen. Die steigende Nachfrage von 8 Mrd. Kunden ist sozusagen automatisch vorhanden; so manches Start-up soll seine Dividenden auch schonmal in Naturalien bezahlt haben.Trauriger Weise trennt die staatliche Förderkulisse beide Bereiche nach wie vor streng von einander: es gibt Hochtechnologiefonds, die Innovationen von IT bis Maschinenbau subventionieren – und es gibt die Rentenbank, die Land- und Fischwirten unter die Arme greift. Überschneidungen sind explizit ausgeschlossen – und werden vermutlich erst dann erlaubt sein, wenn der Trend längst Normalität geworden ist. Hoffentlich sind deutsche Investoren da schneller!Wie sieht es nun mit der Nachhaltigkeit in AgTech aus? Konzerne wie Monsanto setzen schon lange darauf, dass Drohnen den unbemannten Traktor lenken und Roboter die Erfolge von Zuchtversuchen durch Gentests bereits am Keimling testen – in diesem Sinne ist AgTech eine Fortsetzung der Konsolidierung in der Landwirtschaft hin zu größeren Betrieben, weniger Personal und mehr Leistung (aus ausgelaugten Böden), kombiniert mit „BigData“ und allem, was Datenschützer an Bedenken haben können.Aber wenn Investoren mit im Spiel sind, geht es auch um Innovationen aus Start-Ups – und damit bietet AgTech auch eine Chance für wirklich radikal neu und anders gedachte Lösungsansätze. So galt nachhaltige Landwirtschaft lange Zeit als teuer, weil das Produzieren in komplexen, biodiversen Ökosystemen mehr Zeit und Wissen erfordert. Hier können künftig lernende Systeme den Menschen ergänzen und dafür sorgen, dass Bio mit konventionellen Monokulturen konkurrieren kann. Oder die Robotik und Automatisierung wird endlich so einfach und low-tech (wie möglich), dass auch kleine Flächen sinnvoll bewirtschaftet werden können – ob in Städten oder auf kleinteiligen Höfen mit unterschiedlichen Klimazonen. Ich freue mich auf die vielen Impulse, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen – und auf Verbraucher, die klare Signale setzen, welche Entwicklung sie unterstützen möchten.

Insekten als Potential - Unternehmensberatung - Nachhaltigkeit, Innovation & Regionalentwicklung

Entomophagie: Insekten als Lebensmittel

Gestern war ich bei der HU Berlin um zum Thema urbane Ernährungsproduktion in der interdisziplinären Veranstaltung „The Anthropocene Kitchen“ zu sprechen. Mit von der Partie auch mehrere Wissenschaftler, und unweigerlich ein Thema in heutigen Zeiten: Insekten.Mich reizt das schon länger, weil die industrielle Zucht von Insekten tatsächlich eine wesentliche Komponente ist, um sowohl für unser Tierfutter als auch für uns Menschen hinreichend Proteine herzustellen, ohne deswegen den Planeten zu überlasten. Denn Insekten können viele unterschiedliche Dinge verarbeiten – angefangen von organischen Abfällen, inkl. Exkrementen, bis hin zu Styropor (!). Nach bisherigem Forschungsstand muss lediglich sichergestellt werden, dass keine Schadstoffe im Futtermaterial vorhanden sind, da diese zum Teil in den Tieren angesammelt werden.Bislang ist es leider untersagt, Insekten zu Tierfutter zu verarbeiten, lediglich lebend dürfen sie an Fische verfüttert werden – was ernsthafte kommerzielle Unterfangen unmöglich macht. Aber Menschen dürfen Insekten sehr wohl essen (auch tote). Im Netz finden sich Anbieter für ganze Insekten, mal süß mal salzig oder scharf gewürzt, als Lolli oder Schokokeks. Wie einer der Experten erzählte, fallen diejenigen von uns, die kulturell keine Insekten als Snacks zu schätzen wissen, in drei Gruppen: diejenigen, die es strikt ablehnen Insekten zu essen; diejenigen, die neugierig zugreifen; und diejenigen, die es gerne probieren wollen (intellektuell), sich jedoch körperlich nicht überwinden können, reinzubeißen. Solche Produkte bleiben daher wohl vorerst eher eine Nische in westlichen Ländern.Sehr spannend jedoch: Insektenmehl das ähnlich wie Soja zu Schnitzeln, Wurst oder Hamburgern verarbeitet wird. In Belgien bereits im Supermarkt zu kriegen – geschmacklich vermutlich ohne Unterschied (die Gewürze sind ja dieselben!). Das dürfte in den nächsten Jahren durchaus ernsthafte Marktanteile gewinnen.Als Nachtisch gab es bei der Veranstaltung übrigens „echten“ Bienenstich, also mit gerösteten männlichen Bienenlarven wie Nüsse darüber gestreut. Sehr lecker! PS: Update vom 26.10.2015: Nachdem ‚rotes Fleisch‘ jetzt als krebserregend gilt, wechseln wir vielleicht schneller zu Insekten?Foto: Shankar S. unter creative commons Lizenz

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Maden oder die Frage: wie fütter ich meinen Fisch?

Und wieder Besuch aus Brasilien – wie schön! Schon vor einigen Monaten waren wir im Gespräch mit Entologics, die versuchen wollen, eine industrielle Madenproduktion für Fischfutter in Südamerika auf die Beine zu stellen. Ein Pilotversuch in Brandenburg auf Basis von Schlachtabfällen vor einigen Jahren verlief leider im Sande, dabei wäre es dringend notwendig, dass Teile der Fischmehlbasis im gängigen Fischfutter durch andere Proteinquellen ersetzt werden. Mehrere Hochschulen forschen intensiv daran, wie auch die Futtermittelhersteller selbst – denn allein die chinesische Garnelenzucht treibt bereits heute die Preise für Fischmehl aus Beifang in die Höhe.

Noch fehlt es an geeigneten Verfahren, den verhältnismäßig hohen Fettanteil der Maden effizient von den hochwertigen Proteinen zu trennen. Dabei sind Maden nur eine Option, allerdings eine sehr vielversprechende, da sie nahezu jeden organischen Abfall verwerten können und zudem tierische Proteine liefern. Aber auch pflanzliche Quellen wie Wasserlinsen, Grundnesseln oder Algen (die natürlich keine Pflanzen sind) werden auf ihre Verwertbarkeit für die Fische untersucht. Aquakulturen können die Meere jedenfalls nur entlasten, wenn es gelingt, die darin gezüchteten Fische ohne Fischmehl zu mästen.